Der Werbellinsee - schönster See der Mark Brandenburg (Fontane)
Die Schorfheide ist Teil des Biosphärenreservates Schorfheide-Chorin, welches im November 1990 von der UNESCO anerkannt wurde. Charakteristisch für die wald- und wildreiche Gegend sind die kleineren und größeren Seen, die idyllisch durch die Bäume schimmern – einer dieser schönen Seen ist der Werbellinsee.
Der Werbellinsee entstand in der letzten Eiszeit als typischer Rinnensee. Unter dem Eis wurde Material durch fließendes Schmelzwasser abgetragen und somit entstanden tief eingeschnittene Kerben.
| Fläche | 785,92 ha |
| Breite | 1,5 km |
| Länge | 10,4 km |
| Tiefe | ca. 60 m |
Er ist der zweittiefste See der Mark Brandenburg und wird an Tiefe nur vom Großen Stechlinsee bei Neuglobsow übertroffen. Im Jahre 1766 wurde er durch den Bau des Werbellinkanals an das Kanalnetz angeschlossen. Durch seine Verbindung zu dem Oder-Havel-Kanal hat der Werbellinsee eine schiffbare Verbindung zu den Weltmeeren. Da der See für Motorboote frei gegeben ist, sieht man oft hochseetüchtige Yachten.
Der Werbellinsee ist dazu ein sehr anspruchsvolles Segelrevier, angesichts der langgestreckten Form und der relativ steilen Hänge mit Bewaldung.
Historie rund um den Werbellinsee
Der tiefe, klare Werbellinsee mit seiner waldreichen Umgebung ist nicht nur heute ein Besuchermagnet, auch Kurfürsten, Könige und Regierungschefs wussten dieses Naturerlebnis zu schätzen. Seit mehr als vierhundert Jahren war die Schorfheide ein bevorzugtes Jagd- und Fischgebiet.
Die Stadt Joachimsthal
Die Stadt Joachimsthal wurde auf Grund eines vom 1. Januar 1604 gegebenen Erlasses gegründet, welches vom Kurfürsten Joachim Friedrich gesiegelt und unterschrieben wurde. Daher auch der Stadtname. Im Jahre 1607 wurde in der Stadt das bekannte Joachimsthalsche Gymnasium eingeweiht. Diese Fürstenschule ist eigens für begabte Knaben errichtet worden. Später im Jahre 1650 befand sie sich in Berlin und ab 1912 in Templin.
Der dreißigjährige Krieg und ein Stadtbrand rund 200 Jahre später, zerstörten den Ort Joachimsthal nahezu vollständig. Die im Jahre 1607 eingeweihte alte rechteckige Stadtkirche wurde 1735 mit einem kreuzförmigen Grundriss erneuert. Bei dem Stadtbrand 1814 wurde auch sie völlig zerstört und in den folgenden Jahren, unter dem Plan Karl Friedrich Schinkels, wieder neu erbaut. Im Jahre 1820 wurde diese in Form eines griechischen Kreuzes erbaute Kirche eingeweiht.
Zu den mit Joachimsthal verbundenen berühmten Persönlichkeiten gehören unter anderem: der Heimatdichter Friedrich Brunold (1811-1894), mit bürgerlichem Namen August Ferdinand Meyer, dem zu Ehren in der Rosengasse eine Büste errichtet wurde. Der „Sänger der Heide“ war ein beachteter Lyriker seiner Zeit. Der Lehrer und Dichter starb 1894 in Joachimsthal, wo er auch begraben ist. Walter Karl Ferdinand Krumbach, der 1917 in Joachimsthal geboren wurde, war ein deutscher Autor von Kinderbüchern, Kinderliedern, Puppenspielen und Comics. Seiner Feder entstammen u. a. das „Sandmännchen-Lied“ und über 200 Episoden „Herr Fuchs und Frau Elster“. Ab 1955 arbeitete Walter Krumbach als freischaffender Autor und lebte fortan in Groß Schönebeck, wo er 1985 starb.
Altenhof
Vor mehr als tausend Jahren lebten Wenden an den Ufern des Werbellin, welche dem See diesen Namen gaben. Überreste einer Pfahlbausiedlung befinden sich in Altenhof in Nähe der Alten Fischerei. Im Jahre 1350 wurde die Siedlung jedoch ein Opfer der Flammen und es entstand die Sage von der untergegangenen Stadt „Werbelow“. Die Stadt Werbelow war, aufgrund ihrer Einkünfte aus Wald und Landwirtschaft, sehr reich.
Viele Gebrauchsgegenstände des täglichen Lebens waren aus Gold oder Silber angefertigt. Dieser Reichtum verführte die Einwohner zu Übermut, Hartherzigkeit und lockerem Lebenswandel. Ein Bettler, der eines Tages in die Stadt kam, wurde an jeder Tür abgewiesen. Ein gutherziger Mensch im letzten Haus ließ ihn ein. Dieser Mann träumte in der Nacht, dass er die Stadt verlassen sollte. Dies tat er auch zugleich, unterwegs merkte er, dass er etwas Wichtiges vergessen hatte. Er kehrte zurück und fand anstelle der Stadt Werbelow nur noch den großen See.
Sonntagskinder sollen noch heute am Johannistag die Stadt sehen und die Glocken läuten hören können.
Am Ufer des Werbellinsees errichteten die askanischen Markgrafen im 12. Jahrhundert die Burg „Breden“, welche als Jagddomizil genutzt wurde. Im 18. Jahrhundert wurde die alte Försterei in Altenhof neu erbaut. Dabei wurde das alte Kellergewölbe der Burg „Breden“ entdeckt. Heute ist es ein Bodendenkmal.
Bis zum Ende des 19. Jahrhundert waren die Dorfbewohner als Fischer und Forstarbeiter tätig. Erst nach 1900 entdeckte man den so günstig an Wasser und Wald gelegenen Ort für den Fremdenverkehr.
Zu Ehren des Werbellindichters Friedrich Brunold wurde 1926 die Jugendherberge „Brunoldhaus“ bei Altenhof eingeweiht. Mit der Erbauung der Pionierrepublik „Wilhelm Pieck“ 1952 verlor sie ihren Namen und Funktion. Die Pionierrepublik ist aus den Trümmern des 1945 gesprengten Landsitzes „Carinhall“ errichtet worden. „Carinhall“, einst am Großen Döllnsee gelegen, war die Residenz des Reichsmarschalls Hermann Göring.
Auf Beschluss der Regierung der DDR wurde am 16. Juli 1952 die Pionierrepublik errichtet und vom damaligen Präsidenten Wilhelm Pieck eingeweiht. Sie diente bis 1989 maßgeblich der politischen Erziehung von Mitgliedern der Pionier- und FDJ Organisation der DDR. In den Sommermonaten trafen sich hier Kinder aus etwa 50 Ländern der Erde zum „internationalen Sommerlager“. Ab 1990 nannte sich die Pionierrepublik „Kinderland“, danach „Europäische Jugenderholungs- und Begegnungsstätte“ (EJB) und seit dem Jahr 2024 „Seezeit-Resort“. Sie steht allen Kindern und Jugendlichen offen und bietet bis heute den typischen Jugendherbergscharakter. Darüber hinaus sind bereits einige Häuser zu Ferienwohnungen umgebaut worden, um dieses historische Areal auch für Familienurlaube attraktiv zu machen.
Jagdschloss Hubertusstock
Nur wenige Meter vom Werbellinsee entfernt, abseits der Strasse Eichhorst-Joachimsthal, hatte der bekannte König Friedrich Wilhelm IV. das Jagdschloss Hubertusstock zwischen 1847 und 1849 erbauen lassen. Für den Architekten gab es die Vorgabe, dass die Hauptgiebelseite in Richtung Brunftplatz gebaut werden soll. Das Holz lag bereits an der Ablage Spring.
Die unmittelbaren Bauarbeiten beginnen im Frühjahr 1847. Im Stil eines bayerischen Landhauses, ließ Friedrich Wilhelm mit Rücksicht auf seine Gattin, die aus einem Bayerischen Adelsgeschlecht stammte, das Jagdhaus errichten.
Auch der Kaiser Wilhelm II. nahm mit hier seinen Gästen und Gefolge Quartier und ging seiner Leidenschaft dem „Jagen in der Schorfheide“ nach. Zur seiner sicheren und bequemen Anreise nach Hubertusstock wurde der Kaiserbahnhof – Werbellinsee erbaut und im Jahre 1897 eingeweiht.
Nach dem ersten Weltkrieg geht das Schloss Hubertusstock von der Krongutsverwaltung in preussischen Besitz über. Auch in der Zeit des Nationalsozialismus war Hubertusstock ausschließlich hohen Würdenträgern aus Politik und Gesellschaft vorbehalten. Für Reichsforst- und Reichsjägermeister Hermann Göring war es jedoch nicht repräsentativ genug. Er baute sich sein eigenes luxuriöses Jagdschloss – Carinhall.
1952 übernahm es das Ministeriums des Inneren und diente von nun an bis 1971 als Erholungsheim für leitende Angestellte. In den Jahren 1971 bis 1973 wurde das Jagdhaus Hubertusstock bis auf die Grundmauern abgerissen und danach, mit deutlicher Anpassung an den alten Baustil, wieder aufgebaut. Es entstanden zusätzlich vier zweigeschossige Gästebungalows mit Flachdach sowie ein Mehrzweckgebäude mit Schwimmbad, Sauna, Sporträumen und Schießstand.
Prominente Staatsgäste aus der deutschen und internationalen Politik wurden hier bis 1990 untergebracht. Im Dezember 1981 fand hier auch das Treffen zwischen Bundeskanzler Helmut Schmidt und Erich Honecker statt. Nach der „Wende“ übernahm das „SAVOY Hotel“ die Anlage, heute ist Hubertusstock im Besitz des Ringhotels und zählt als „Ringhotel Schorfheide“ zu den beliebtesten Ausflugszielen in der Region.
Der Askanierturm
An der Südwestespitze des Werbellinsees steht auf einer kleinen Erhebung der 1879 eingeweihte Askanierturm, welcher sich in seiner naturangepaßten Steinbauweise harmonisch in die Schorfheideregion einfügt. Die deutlich erkennbare Anhöhe auf der Landzunge zwischen Seespitze und Werbellinkanal ist der Schlossberg der ehemaligen Burg Werbellin. Die Burg Werbellin stand im Verbund mit den ehemaligen Burgen Breden in Altenhof und dem Schloss Grimnitz in Joachimsthal. Die Gründung der Askanierburg Werbellin im Jahre 1247 wird sowohl dem Markgrafen Johann I., einem Nachfahren des Askaniers Albrecht der Bär (1106-1170) als auch Otto III. (1226-1267) im Jahre 1239 zugesprochen.
Beim Bau des Askanierturmes aufgefundene Fundamentreste ließen darauf schließen, dass die Burg etwa eine Fläche von 30 x 30 m einnahm. Das oberirdische Bauwerk muss vorwiegend aus Holzstämmen errichtet worden sein. Überreste verkohlter Balken lassen darauf schließen, dass die Burg durch Brand vernichtet wurde (etwa 1359). Über die Funktion der Burg gibt es die Vermutung, dass sie den askanischen Markgrafen nebst Gefolge vorrangig für die Jagdaufenthalte in der Schorfheide diente. Der Tod von Markgraf Waldemar brachte das Ende der Askanierzeit.
Der Joachimsthaler Heimatdichter Friedrich Brunold (1811-1894) interessierte sich lebhaft für das Wirken der Askanier. Von Brunold stammt auch die Idee zur Errichtung des Askanierturmes. Prinz Carl von Preußen hatte dazu ein Gelände der Zement- und Ziegelfabrik Bernoulli in Wildau erworben. Die heutigen Mergelteiche bei Wildau sind Abbaustätten der Firma Bernoulli, die über 70 Jahre an dieser Stelle Wiesenkalk und Ton gewann und zu Baustoffen verarbeitete.
Der Eberswalder Baumeister Büsscher errichtete den Askanierturm. Architektonisch passt sich der Turm sowohl in der Form als auch bezüglich der verwendeten Baustoffe gut in das Landschaftsgefüge ein. Am 2. Oktober 1879 wurde der Askanierturm eingeweiht. Dieses Ereignis wurde durch ein tragisches Unglück überschattet. Der Sohn des Zementfabrikanten Bernoulli versuchte sich in Kletterkünsten am Turm und stürzte zu Tode.
Die Reste eines Kindergrabes, gelegen am Schlossberg, zeugen noch heute von diesem Drama. Der Turm befindet sich heute in der Rechtsträgerschaft der Gemeinde Eichhorst. Seine Funktion als Aussichtsturm hat der Bau verloren, da die im Jahre 1879 gepflanzten Fichten ihn um mehrere Meter überragen. Dennoch hat man von der Turmspitze einen schönen Blick auf die Mergelteiche und auf die südöstliche Seespitze.
Die Gewölbereste von der Burg Breden sind überbaut durch das Forsthaus in Altenhof. Die Gewölbekeller von der Burg Grimnitz sind noch erhalten und erkennbar ist auch noch die Turnierwiese, die das einstige höfische und ritterliche Treiben erahnen läßt.
Das Haus des Zementfabrikanten Bernolli wurde später nach Schließung des Betriebes vom Hofmarschallamt übernommen und dem Jagdschloss zugeordnet. Nach dem 2. Weltkrieg wurde es dann zum „Cafe Wildau“ und 1974 wurde die Schließung veranlasst.
Eine Woche vor dem ersten geplanten Besuch des Bundeskanzlers Helmut Schmidt im Sommer 1980, erfolgte der Abriss dieses Gebäudes. Im Jahre 2008 wurde das „Café Wildau“ originalgetreu wiederaufgebaut und 2009 neu eröffnet.
Jagdhaus der Reichspräsidenten
Gegenüber von Altenhof befindet sich, auf einer in den Werbellinsee ragenden Halbinsel, das Blockhaus der ehemaligen Reichspräsidenten Friedrich Ebert und Paul von Hindenburg. Die preußische Regierung beschloss, nach dem 1. Weltkrieg ein Jagdhaus, in Form einer stabilen Blockhütte, für die Präsidenten der Weimarer Republik zu errichten. Nach Ebert war es vorwiegend Hindenburg, der von hier aus zur Jagd ging. Das Bauwerk ist nahezu in seinem ursprünglichen Zustand erhalten geblieben.
Das Haus bewohnte später der Chef der Reichskanzlei, Reichsminister Dr. Hans Heinrich Lammers, nachdem er während des Krieges in Berlin ausgebombt worden war. Er veranlasste die Errichtung eines Flachbaus zur Unterbringung seiner Wachmannschaften.
Zu DDR-Zeiten war es, um einige zeittypische Anbauten erweitert, das „Kinderheim Anne Frank“ für schwererziehbare Kinder. Seit der Wende wird das Gelände privat genutzt und ist mit einem kupfergedeckten Dach vom Wasser aus zu erkennen.
Arbeitsdienstlager
In der Nähe der ehemaligen Holzablage „Michen“ befand sich das einstige Arbeitsdienstlager im Fachwerk-Baustil. Es wurde zu Zeiten von Reichsjägermeister Hermann Göring traditionstreu in Fachwerk mit Rohrbedachung erbaut. Die Insassen bauten damals ebenfalls die rund 10 km lange Pflasterstrasse zu Görings Waldhof „Carinhall“.
Nach dem Krieg brannte ein Großteil der Häuser ab. Nach Gründung der DDR wurden die übriggebliebenen Häuser als Jugendherberge genutzt. In den siebziger Jahren wurde es um einen Neubau in typischer DDR-Plattenbauweise erweitert und bis zur Wende 1989 als Jugendtouristenhotel geführt. Ab 1990 wurde es eine Zeit lang weiter als Hotel genutzt. Heute ist es eine Ruine.
Carinhall
Das Preußische Staatsministerium hatte im Jahre 1933 auf der Landzunge zwischen Großen Döllnsee und Wuckersee ein Blockhaus im schwedischen Stil errichten lassen und schenkte es dem Reichsforst- und Reichsjägermeister Hermann Göring. Wenig später ließ er es zu einer „pompösen“ Anlage als seinen Jagdsitz erbauen. Er benannte den Ort nach dem Sitz der Götter „Walhalla“ und setzte den Namen seiner ersten verstorbenen Frau davor -Carinhall-. Dieser Ort diente nicht nur zu jagdlichen Zwecken, sondern auch für Regierungsempfängen.
Als Kunstsammler bereicherte er sich mit millionenschweren Ausstellungsstücken aus den besetzten Gebieten. Lange Zeit vermutete man auch das Bernsteinzimmer aus Petersburg in den Ruinen von Carinhall.
Zum Ende des Krieges, ließ Hermann Göring „Carinhall“ durch sein Wachregiment mit Fliegerbomben in die Luft sprengen. Die sowjetische Besatzungsmacht versuchte mit weiteren Sprengungen, die Spuren des Dritten Reiches zu beseitigen. Die Gruft seiner ersten Frau Carin wurde ausgeplündert. Zu DDR-Zeiten schoben Soldaten der Volksarmee mit Planierraupen alles glatt und es wurden Bäume angepflanzt.
Heute stehen noch die Torwärterhäuser vor der um 1944 gepflanzten Kastanienallee und es gibt eine Infotafel am Parkplatz.
Gegenüber dem Campingplatz „Voigtwiese“ (Joachimsthal), befand sich das hölzerne Bootshaus des Reichsmarschalls Hermann Göring, welches er für seine Yacht „Carin II“ im Jahre 1938 errichten ließ.
An das Bootshaus und den Steg erinnern heute die Rammpfähle, die an der Anlegestelle des heutigen Yachtclubs „Schorfheide“ aus dem Wasser ragen.
Die Carin II übersteht unbeschadet, ständig von drei Soldaten überwacht, den zweiten Weltkrieg. Danach kommt sie in den Besitz des englischen Königshauses, wo man sie „Prince Charles“ nannte.
Im Jahre 1960 wird die Motorjacht an Görings Witwe zurückgegeben und sie verkaufte es an einen Bonner Druckereibesitzer, aus dessen Händen es 13 Jahre später an Gerd Heidemann überging. Die Carin II wurde später nach Ägypten verkauft und liegt heute in einem Hafen des Badeortes Hurghada am Roten Meer.



























